Kirche Scheibenberg

"Ich glaube; hilf meinem Unglauben!" Markus 9,24 (Jahreslosung 2020)

Geistliches Wort

Exaudi 2020

Herzensbindung

Was die nächsten Wochen so bringen, ist natürlich nicht klar; um so besser, dass wir aus den Prophetenbüchern von Gottes globalen Plänen erfahren. Bei Jeremia 31 heißt es:

31 Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, 32 nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, mein Bund, den sie gebrochen haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der HERR;

33 sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der HERR: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein. 34 Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den HERRN«, denn sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der HERR; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.

„Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich das Herz zum Herzen findet!“ So schrieb Friedrich Schiller in seinem grandiosen ‚Lied von der Glocke‘. Aber was hat der manchmal etwas bösartige Volksmund daraus gemacht?  „Drum prüfe, was sich ewig bindet, ob sich nicht noch was Bessres findet!“  Und das heißt dann: na überleg dir’s noch mal, ob du heiraten willst, vielleicht findet sich ja wirklich noch was Besseres.  Inzwischen hat sich die Psychologie und die Soziologie längst mit dem Thema befasst und herausgefunden: Die Menschen heute haben Bindungsangst. Das klingt schon merkwürdig, denn wir haben doch vielerlei Kontakte, jetzt in diesen Corona-Zeiten nehmen wir sie noch bewusster wahr, mit Telefon und Handy und Internet. – Kontakte gibt es deutlich mehr, aber sie sind offenbar oberflächlicher als bei der Generation unserer Großeltern. Bindungsangst – das ist ein groteskes Erscheinungsbild. Denn unsere Kinder haben in sich  eine Verlustangst. Die Angst allein gelassen zu werden, die Angst ein Elternteil zu verlieren. Kinder in unserer heutigen Zeit werden krank, schwierig, aggressiv; sie löffeln da die Suppen aus, die ihnen Erwachsene einbrocken. Die sich verstreiten, trennen, scheiden oder diese und jene Beziehungen haben, aber keine festen Bindungen eingehen; ungebunden sein wollen und damit auch nicht so richtig die Verantwortung haben müssen. Dabei hat Friedrich Schiller nicht mal recht, wenn er vom ewigen Bund redet. Denn selbst die Ehe gilt: bis dass der Tod uns scheidet. Nur ein Bund ist ewig, der innere Bund. Beim inneren Bund geht es um das Herz, um die Seele.  Es geht um die Frage, wem gehört mein Herz, oder vielleicht besser mein Seele?  Denn beim Herzen denken wir zuerst an die Liebe. Bei der Seele denken wir zwar auch an Gefühle, aber auch an Halt, Grund-orientierung, wir denken an Gott. Wir wissen, dass Seelen krank werden können, dass sie von einem ‚Ungeist‘ besetzt sein können wie Neid, Gier, Gleichgültigkeit, Rechthaberei, von Zwängen und Süchten. Dennoch sind Herz und Seele austauschbare Begriffe für unsere Innerstes. Es geht also darum, wer mein Innerstes beherrscht, wer die Seele bestimmt. Was treibt mich an, meine Gedanken, Gefühle, mein Handeln?  Es geht um etwas ganz Großes. Doch die Seele ist besetztes Gebiet, ob uns das gefällt oder nicht. Was da drinnen steckt, ist die Erbsünde. Wir haben die Fähigkeit, nicht nur gut zu sein, sondern auch schlecht und zwar von klein auf. Da liegt das Glas Milch zerbrochen auf dem Fußboden. Hast Du das runter geschmissen? Nein: Tatze wars… die Katze wars! Aha. Der Mensch ist nicht von Natur aus ‚edel, hilfreich und gut‘, wie es sich der andere Dichter, Goethe, wünschte. Und auch das Volk Israel, zu dem Jeremia im Bibeltext redet (V. 31), hat den Bund Gottes verlassen, obwohl ER sie ‚an der Hand‘ aus Ägypten errettet hat. Und dann kommt es so wie in diesen Corona-Tagen: Am Anfang sind sie froh und dankbar, dass sie leben, dann, als die Alltagsbequemlichkeiten nicht mehr so da sind, geht das Schimpfen auf Mose und Gott los. Das goldene Kalb soll ihr neuer Gott sein. Trotz solcher Sünden, die sich ja immer wiederholt haben, gibt Gott sein treuloses Volk nicht auf. Das ist überaus erstaunlich. Er wählt einen anderen Weg und sagt: Da hilft nur noch ein echter Herzensbund. Und er nimmt sich vor: Ich will das Angebot zur Herzensveränderung machen. Beim Volk Israel soll es anfangen, aber wir heute können auch mit in diesen Bund gehören. Es beginnt mit der Taufe, aber dann müssen wir irgendwann auch mal selbst bewusst JA sagen zu diesem Angebot Gottes. ER will sein Gesetz in unser Herz und in unseren Sinn geben (V34). Er ‚erobert‘ unsere Herzen durch den Heiligen Geist. Durch den Glauben an Jesus kommt er in uns hinein und macht uns zu Menschen die feststellen: Mein Herz ist an Gott gebunden – da hab ich das Beste gefunden. Amen

Rogate 2020

Das Gebet aller Gebete im ‚Home Office‘

‚Beten ist das Handwerk der Christen‘ so etwa hat es Dr. Martin Luther ausgedrückt. Ein Handwerk lernt man vom Meister. In Glaubensdingen ist das allein Jesus Christus. Er gibt folgende Anleitung: Mat 6,5-15.

Jesus lehrte seine Jünger und sprach: 5 Wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, um sich vor den Leuten zu zeigen. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt. 6 Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten. 7 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. 8 Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet. 9 Darum sollt ihr so beten: Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt. 10 Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. 11 Unser tägliches Brot gib uns heute. 12 Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. 13 Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.14 Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben. 15 Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.

Fast jedes Handwerk braucht eine Werkstatt. Wo ist die Werkstatt des privaten Gebetes? Sie soll erst mal daheim sein, in der Stille, hinter verschlossenen Türen. Dort soll allein oder gemeinsam ‚gearbeitet‘ werden. In dieser Coronazeit ist vielen ‚Home Office‘ verordnet worden. Alle Verwaltungs- und Büroarbeiten, die möglich sind, sollen von zu Hause aus erledigt werden. Erstaunlich ist, dass Jesus Christus seinen Anhängern, und damit uns Christen, schon vor 2000 Jahren ‚Home Office‘ verordnet hat, Heimarbeit im Beten. Und niemand hat sich darüber beschwert, dass er jetzt weggesperrt wäre. Sondern es hat viel mehr Freude ausgelöst, denn Jesus sagt damit: auch das Gebet daheim stößt nicht auf taube Ohren, sondern kommt bei Gott dem Vater an.  Wie viele kranke Mitchristen, wie viele verfolgte oder verlachte Mitchristen, die eben nicht in die Gottesdienste kommen konnten, haben sich getröstet, weil ‚der Vater ins Verborgene‘ sieht. „Im Krankenhaus unter der Bettdecke wird vielleicht mehr gebetet, als in der Kirche!“. Der Arzt, der das behauptet hat, könnte recht haben.

Jesus sagt hier ja zuerst: Beim Gebet darf es niemals darum gehen, dass ich auch von anderen gesehen werde oder viele Worte brauche.

Wenn mein Ziel ist, dass andere meine ‚Gebetskunst‘, meine Andacht, meine guten Formulierungen bemerken, dann ist mein Beten umsonst. Vielmehr soll ich glauben, dass Gott alles in Hand hat und mich hört: dann reichen auch schlichte Worte. Ja es würde sogar reichen, wenn wir immer wieder nur das VATERUNSER ernsthaft beten. Das ist nicht nur viel besser, als gar nicht zu beten, sondern es ist ja das wertvollste aller Gebete überhaupt. Erstens, weil es Jesus selbst gelehrt hat und zweitens, weil es wirklich alles umfasst, was wichtig ist. Wir beten dort füreinander; aber persönlich heißt das:

Vater unser im Himmel: Auch ich darf zu dem ewigen und allmächtigen Gott tatsächlich Vater sagen– was für ein Vorrecht!

Geheiligt werde dein Name: Sein Name, ER ist die Autorität über allem menschlichen Willen, das muss mir heilig sein.

Dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden: Seine Gedanken, der mehr sehen als ich, die sollen sich durchsetzen. Gottes gute Herrschaft möge nicht nur den Himmel, sondern auch die Welt bestimmen und einmal alles erneuern.

Unser tägliches Brot gib uns heute: Ich kann nur leben, wenn ER mir gibt. Alles Gute ist Geschenk, das will ich dankbar begreifen.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern: Auch das Innere, die Seele muss ‚entgiftet‘ werden. GOTT will vergeben! ER wird es in dem Maß tun, wie ich meinen Mitmenschen auch wirklich vergebe (V14f).

Und führe uns nicht in Versuchung sondern erlöse uns von dem Bösen: Auf dem Weg des Glaubens kann ich nur bleiben, wenn ER mich schützt und befreit. Darum will ich immer neu bitten.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Damit bekenne ich mich nochmals zu meinem großen und mächtigen GOTT; ER ist HERR für immer.

Jesus redet in diesem Bibelabschnitt vom privaten Gebet. Wir wissen, dass er ebenso in Gottesdiensten betete und seine Jünger sich mit den ersten Christen zum öffentlichen Gebet trafen. Ja, beides hat seine Zeit aber beides gehört auch zusammen. In der Gebets-Heimarbeit schütten wir unser Herz vor Gott aus, im Gottesdienst kommen die öffentlichen Anliegen vor IHN. Das eine ist die Werkstatt, das andere die Werkhalle des Gebetes. Beides wird gebraucht. Wie gut, dass wir beten dürfen! Amen

Kantate 2020

Musikalischer Aufstieg

2 Da versammelte König Salomo alle Ältesten Israels, alle Häupter der Stämme und die Fürsten der Sippen Israels in Jerusalem, damit sie die Lade des Bundes des HERRN hinaufbrächten aus der Stadt Davids, das ist Zion. 3 Und es versammelten sich beim König alle Männer Israels zum Fest…. 4 Und es kamen alle Ältesten Israels, und die Leviten hoben die Lade auf 5 und brachten sie hinauf samt der Stiftshütte und allem heiligen Gerät, …12 Und alle Leviten, die Sänger waren… angetan mit feiner Leinwand, standen östlich vom Altar mit Zimbeln, Psaltern und Harfen und bei ihnen hundertzwanzig Priester, die mit Trompeten bliesen. 13 Und es war, als wäre es einer, der trompetete und sänge, als hörte man eine Stimme loben und danken dem HERRN. Und als sich die Stimme der Trompeten, Zimbeln und Saitenspiele erhob und man den HERRN lobte: »Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig«, da wurde das Haus erfüllt mit einer Wolke, als das Haus des HERRN, 14 … denn die Herrlichkeit des HERRN erfüllte das Haus Gottes. (2. Chronik 5)

Das ist schon ein Gegensatz! Im biblischen Bericht vom Umzug der Bundeslade und der Tempelweihe in Jerusalem wird uns von einem gewaltigen Festgottesdienst erzählt. Alle Männer Israels kommen, darunter alle Ältesten; und unzählige Frauen und Kinder müssen auch dabei gewesen sein. Allein hundertzwanzig Priester musizieren auf Posaunen und zusätzlich erklingen Zimbeln, also geformte Bronzescheiben, und viele verschiedene Saiteninstru-mente. Wie mit einer Stimme klingt alles wunderbar zusammen und das Lob Gottes schallt aus allen Kehlen und durch alle Instrumente.

Und wir? Bei uns ist jetzt ‚fast‘ das Gegenteil. Bei uns dürfen nur so viele Leute ins Gotteshaus, wie in eine Kirche passen, wenn wir jeweils 1,50 Meter Abstand halten. Das Singen ist z.Z. nur mit Mundschutz erlaubt, die Chöre haben Pause und unsere Posaunen-chöre oder Flötenkreise dürfen gegenwärtig nicht zum Einsatz kommen. Na ja, so richtig schön ist das nicht. Besonders nicht am Sonntag Kantate, das heißt ja: SINGT!

Allerdings hätte der weise König Salomo garantiert auch kein Fest angesagt, wenn in Israel gerade eine Seuche ausgebrochen wäre. Denn für solche Fälle gibt es schon vor ihm ziemlich ausführliche Verbote und Bestimmungen. Manche denken vielleicht, die Bibel sei von Gestern, aber statt dessen enthält das Alte Testament wohl die modernsten Hygieneregeln (z.B. 3.Mo 13-14), die uns überhaupt aus vorchristlicher Zeit überliefert sind.

Zurück zum Text: Neben der Erzählung, wie imposant dieser große Gottesdienst war, merkt man den Worten an, wie gut es tut, wenn viele Menschen zusammenkommen, die einen Glauben miteinander teilen. Und ist es nicht erstaunlich, dass Gott vielen von uns auch musikalische Talente mitgegeben hat. Diese Talente dürfen nicht vergraben werden, sondern sie sollen eingesetzt werden, zum Lob Gottes. Dazu muss man solche Talente entdecken, auch bei sich selbst, und ausbauen.   Ja, das Bibelwort erzählt schon (V 13), dass alles wie eine Stimme wirkte. Aber damit es gelingen kann, gehört Lernen, Anleiten und immer wieder Üben dazu; und das war damals auch nicht anders. Ich will hier ausdrücklich DANKE sagen für alle, die sich im musikalischen Bereich unserer Gemeinden engagieren. Ohne ihren Dienst kann ich mir das Gemeindeleben wirklich nicht vorstellen. Sicher, weil ich selbst gerne singe, aber vor allem, weil gute christliche Lieder – übrigens alte und neue – so etwas wie göttliche Energie in sich tragen. Sie prägen sich so tief in‘s Innere ein, sie verhaken sich regelrecht in unserer Seele, wie das gehörte Worte und gute Bilder kaum können. Und sie lassen uns zu IHM aufsteigen.

In meiner ersten Gemeinde war Margaretha G. nun schon fast 103 Jahre alt geworden, da fing sie an, ein Lied zu singen, was ihre Tochter, damals etwa 70, bisher nie von ihrer Mutter gehört hatte. Nach ein paar Fehlversuchen fand ich das Lied schließlich nur im alten sächsischen Gesangbuch von ca. 1893. In ihrer Jugend war es ein modernes Lied mit einer tiefen Glaubensaussage gewesen.        Nur 7 Stunden vor ihrem Heimgang hat sie dann – zusammen mit ihrer Tochter und mir- alle 5 Strophen auswendig gesungen. Und natürlich haben wir es auch zu ihrer Beerdigung angestimmt.

So können Lieder Lebensbegleiter sein, die uns sogar noch ein-fallen, wenn uns alles andere entfallen ist, die anspornen, trösten, ermahnen und ermutigen, die den Aufstieg zu Gott erleichtern.

Die Verbindung von Text und Melodie verstärkt die Worte. Und!: Gott bekennt sich zu Menschen  die ihn anrufen, ihn loben und ihm Danken (V 14). Das geht auch daheim, aber besonders gut im Gottesdienst — auch in diesen Zeiten. Amen

Jubilate 2020

Das Weinstockkreuz

Im Johannesevangelium 15, 1-8 redet Jesus in einem Bild von dem was er ist und wie wir seine Jünger sein und bleiben können:

Jesus Christus spricht: Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner. 2 Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, nimmt er weg; und eine jede, die Frucht bringt, reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe. 3 Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. 4 Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht an mir bleibt. 5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. 6 Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt die Reben und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen. 7 Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. 8 Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.

Richtigen Weinbau gibt es bei uns im Erzgebirge nicht. Aber in Partnergemeinden und auf Reisen haben die meisten schon beein-druckende Weinberge besucht. Und vor allem mitbekommen, was für immense Arbeit da zu bewältigen ist, ehe richtig gute Trauben gewonnen werden. Und dann soll daraus auch noch ein guter Wein werden.

Jesus vergleicht sich mit einem Weinstock und uns mit den Reben.             Mit solchen Reben, an denen wieder saftige Trauben wachsen können. Er sagt: das geht! Lebendigen Reben sollen wir sein, keine abgestorbenen, die nur noch als Feuerholz taugen. Wie bringen wir Frucht, gute Frucht?

Ich muss an ein beeindruckendes Kreuz denken. Als Stamm dient ein Weinstock. Jesus hängt daran und seine Arme sind rechts und links an starke Reben genagelt. Aber Blätter wuchern dort auch und schwere Trauben. Das alles ist ein Bild, ein Bild für das Leben und wie unser Christsein gelingen kann; wie es nur gelingen kann:           Wir müssen verbunden bleiben mit dem Weinstock Christus! So fest angewachsen, so tief eingewachsen, wie eine Rebe eben im Weinstock eingewachsen ist. Auf diese Weise werden wir mit der Lebensenergie Jesu versorgt, so strömt seine Art in uns. So können wir Menschen sein, die in wechselnden Lebenslagen barmherzig und zuversichtlich sein können. Die nicht nur für sich leben, sondern andere unterstützen oder für sie beten. Die den Glauben weitersagen und weitertragen. Die zu rechten Zeit Geduld aufbringen, oder aktiv werden, die in den Niederlagen und Schmerzen nicht verzweifeln. Die Frieden haben, sogar im Angesicht des Todes. Die Gott über allem vertrauen. Solche Früchte werden jetzt in dieser Coronazeit wirklich gebraucht.

Wenn wir mit Jesus Christus leben, dann strömt seine Lebens-energie auch in uns hinein, dann bringen wir auch Frucht. Dann wächst Glaube, Hoffnung und Liebe – bei uns und durch uns.      Wir müssen und wir können das nicht aus uns selbst bewirken – aber es wird uns geschenkt, wenn wir mit IHM verbunden bleiben.

Wie geht das? Es funktioniert wie beim Weinbau, in mehreren ‚Arbeitsschritten‘; einige sind: * Durch die Taufe sind wir in den Weinstock ‚eingepfropft‘ worden – und viele andere ebenfalls, mit denen wir nun zu SEINER Kirche zusammengehören. *Durch unser eigenes Ja zu Jesus Christus, können dann seine Lebenssäfte fließen. *Durch die Beichte lassen wir zu, dass gefährliche, kranke Triebe abgeschnitten werden und die Sünde nicht unser Leben vergiftet.  *Durch das Gebet halten wir uns an Gott fest, wie sich eine Rebe an den Drähten im Weinberg hält. *Durch das Heilige Abendmahl erhalten wir seine Lebensenergie direkt.

Also: Die Wurzeln ziehen das Wasser aus der Erde, der Weinstock pumpt diesen Lebenssaft in die Reben, von den Reben strömt es in die Trauben und Blätter. Nur so bringt ein Weinstock Frucht.

Könnten wir nicht heute und immer wieder mal in unserem Leben  an das WEINSTOCKKREUZ denken und fragen: Bin ich noch fest mit IHM  verbunden, bin ich eine Rebe, die dort eingewachsen ist, bei Jesus Christus? Das muss uns wichtig bleiben … so trägt unser Leben gute Früchte, zu Gottes Ehre und zu unserem Heil. Amen

Misericordias Domini 2020

Die Art des Guten Hirten

Im 1. Petrus 2, 21-25 heißt es:

21 Christus hat für euch gelitten und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen.

ER, der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug fand; der, als er geschmäht wurde, die Schmähung nicht erwiderte, nicht drohte, als er litt, es aber dem anheimstellte, der gerecht richtet;

der unsre Sünden selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr heil geworden. Denn ihr wart wie irrende Schafe; aber ihr seid nun umgekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.

Unser ehemaliger Landesbischof. Dr. Carsten Rentzing, erzählte mal von einer originellen Bergtour sinngemäß: „Auf einer gewaltigen Geröllwiese vor dem Bergwand graste eine Schafherde. Unser Wanderpfad führte dort hindurch und allmählich bergauf. Als wir schon bald am Fuß der Felsen waren, schauten wir zurück. Da war die gesamt Herde hinter uns hergekommen, eins hinter dem anderen. Blieben wir stehen, standen sie, gingen wir weiter, kamen sie auch. Was nun?“

Für mich ist das erst mal ein perfektes Bild von Nachfolge. Denn als Christen sollen wir nicht bloß Bewunderer von Jesus sein, sondern Nachfolger. Was der Unterschied ist? Ich sehe es so: Bewunderer, heute Fans, haben ein Idol und sind begeistert von dem, was es so sagt, singt und leistet, wie es sich gibt. Jugendliche haben dann Bilder im Zimmer, Erwachsene Bücher, ihre Lieblingsseiten im Handy oder Computer, oder die Lieblingsendungen im Fernsehen.

Es ist schon wichtig, dass Christen Fans von Jesus sind, dass sie IHN einfach gut finden, weil ER das ja ist. Aber Christen sollen Nachfolger sein, das ist mehr: Da folgt man den Worten, den Ideen, der Lebensart. Da setzt man das um, lebt das, praktiziert in der heutigen Zeit, was ER damals uns vorgelebt hat. Man folgt seinen Spuren, tritt in seine Fußstapfen, sucht immer wieder seinen Pfad.

Sonst ähneln wir den irrenden Schafen, die kopflos durch die Welt laufen, die vielleicht sogar jetzt in dieser Krise, ihr bisherigen Lebensgewohnheiten durchsetzen wollen, satt mal eingeschränkter zu leben. Die sich von allen möglichen Lebensentwürfen oder Ideologien  anstecken lassen, statt nach Gottes Lebensentwurf für uns zu fragen.      Jesus will aber, dass wir seine Nachfolger sind: Wo er hinging, da sollen wir auch hingehen, wo er stehen blieb, da sollen wir auch stehen bleiben.

~ Wann blieb Jesus denn stehen ?          1. Dann, wenn er sich Zeit genommen hat, um zu beten. Da war er ganz im Gespräch mit seinem Vater. Nachfolge heißt also: Beten.       2. Dann, wenn er sich Zeit genommen hat für Kranke, Entrechtete, Unbeachteten. Da war er ganz bei den Menschen. Nachfolge heißt also: Nächstenliebe. 3. Dann, wenn er sich Zeit genommen hat für sein Jünger. Da war er ganz im Gespräch mit Glaubenden. Nachfolge heißt also: christlicher Austausch.                           4. Dann, wenn er sich Zeit genommen hat, um im Haus Gottes zu sein. Da war er ganz beim Hören, Mitfeiern, bei der Anbetung. Nachfolge heißt also: Gottesdienst feiern. – Auch wenn es z. Z. nur begrenzt geht.-

~ Und wo ging Jesus hin?

1. Aus seiner Heimat ging er unter die Menschen. Nachfolge heißt also: mitten in der Welt, als Christ erkennbar zu sein.

2. Aus dem Alltag stieg er auf Berge oder ging in die Einsamkeit, um Gott nahe zu sein. Nachfolge heißt also: sich Zeit mit Gott zu nehmen.

3. Aus dem erfolgreichen Leben, ging er zum Kreuz. Nachfolge heißt also: Das Kreuz zu tragen, dass sich ergibt oder Gott uns auflegt.

4. Aus dem Tod ging er ins Leben. Nachfolge heißt also: Wir werden mit ihm auferstehen.

Solche Nachfolge, ist kein taubes Hinterhertrotten von angeblich dummen Schafen. Sonden ein sehr aktives Leben, mit Werten, die in dieser Welt vielleicht wenig bedeuten. Aber solche Werte (s.o.) machen das Leben lebenswert. Sie halten uns in Verbindung zu unserem Schöpfer und Erlöser und erfüllen die Welt mit der Art des Guten Hirten.

SEIN Vorbild wird in dieser Coronakrisenzeit dringend gebraucht:

* Das Gebet füreinander und um Gottes Erbarmen und seine Hilfe.

* Die Aufmerksamkeit füreinander, dass wir zu Mitmenschen Kontakt halten, die allein sind, überfordert sind oder in Existenzängste geraten. Und sei es ein gutes Wort am Fenster oder ein Anruf.

* Das Festhalten am und das Hinweisen auf den Guten Hirten, der zwar dunkle Täler nicht immer erspart, aber der doch da ist und mitgeht.

So wird 1. Petrusbrief also betont, dass die innere Umkehr, unsere Bekehrung zum Guten Hirten, sich auswirken muss. Seinem Vorbild sollen wir folgen: Mit Liebe zur Gerechtigkeit, ohne ein Ja zur Sünde, ohne Betrug, ohne Schmähungen, ohne Drohungen, ohne dass wir selbst richten, sondern das Richten Gott überlassen.

Diese Art des Guten Hirten wird gebraucht, heute!

– Übrigens, die Schafherde vom Anfang hörte plötzlich einen Pfiff, einen Ruf. Sie hoben die Köpfe. Ein zweiter Ruf. Da drehten sich alle um und rannten den Hang hinunter. Dorthin wo ihr guter Hirte war.            Lasst uns auf unseren guten Hirten hören und immer wieder zu IHM umkehren. Sein Vorbild sollen wir leben und bei IHM ist Gottes Segen für uns heute. Amen

Quasimodogeniti 2020

Begründete Hoffnung ?!

Wie ist die Stimmung?    Also schön ist es nun nicht, dass man in seinem Aktionsradius ganz deutlich eingeschränkt ist, dass man nicht mit der Familie oder Freunden bei diesem schönen Wetter im Garten sein kann. Wenn die Leute in den Altenheimen keinen Besuch bekommen, in den Großstädten die Familien mit Kindern massiv eingeschränkt sind, wenn Leute um ihre Existenz bangen. Schön ist es nun nicht, dass die Gottesdienste ausfallen, Taufen oder Trauungen nur im Miniaturformat stattfinden könnten, Beerdigungen nur im engsten Familienkreis erlaubt sind und dass Konfirmation und Jubelkonfirmation verschoben sind.

Ob das noch mal besser wird? Oder werden wir ständig in Angst leben, bis Jesus einmal wiederkommt?  Im Episteltext für diesen Sonntag wird gesagt, dass wir unser Hoffnung doch aus einer viel tieferen Quelle schöpfen können, als aus der Mitteilung der Corona-Fallzahlen.

Im 1.Petrusbrief 1, 3-9 steht (Text aus ‚Die Gute Nachricht‘)

3 Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus! In seinem großen Erbarmen hat er uns neu geboren und mit einer lebendigen Hoffnung erfüllt. Diese Hoffnung gründet sich darauf, dass Jesus Christus vom Tod auferstanden ist. 4 Sie richtet sich auf das neue Leben, das Gott schon jetzt im Himmel für euch bereithält als einen Besitz, der niemals vergeht oder verdirbt oder aufgezehrt wird. 5 Wenn ihr Gott fest vertraut, wird er euch durch seine Macht bewahren, sodass ihr die volle Rettung erlangt, die am Ende der Zeit offenbar wird.

6 Deshalb seid ihr voll Freude, auch wenn ihr jetzt – wenn Gott es so will – für kurze Zeit leiden müsst und auf die verschiedensten Proben gestellt werdet. 7 Das geschieht nur, damit euer Glaube sich bewähren kann, als festes Vertrauen auf das, was Gott euch geschenkt und noch versprochen hat. Wie das vergängliche Gold im Feuer auf seine Echtheit geprüft wird, so wird euer Glaube, der viel kostbarer ist als Gold, im Feuer des Leidens geprüft. Wenn er sich als echt erweist, wird Gott euch mit Ehre und Herrlichkeit belohnen an dem Tag, an dem Jesus Christus sich in seiner Herrlichkeit offenbart. 8 Ihn liebt ihr, obwohl ihr ihn nie gesehen habt. Auf ihn setzt ihr euer Vertrauen, obwohl ihr ihn jetzt noch nicht sehen könnt. Und darum jubelt ihr mit unaussprechlicher und herrlicher Freude. 9 Denn ihr wisst, dass euer Vertrauen, euer Glaube, euch die endgültige Rettung bringen wird.

Jedes Auto muss mal zum TÜV, da wird geprüft, ob es weiter fahrtauglich ist. Die Brücken von Eisenbahn oder Autobahn werden Material- und Stabilitätsprüfungen unterzogen, ob sie noch verlässlich sind. Das ist gut, denn so werden Unfälle oder Zusammenbrüche verhindert. Es kann nachgebessert und stabilisiert werden.

Und unser Glaube, unser Vertrauen auf Gott, ist das stabil?

In dieser Zeit erleben wir alle eine Situation, die wir so noch nicht hatten. Das letzte mal vor 380 Jahren gab es im Erzgebirge über viele Wochen keine Gottesdienste und furchtbare Leiden und Katastrophen durch Krieg und Pest. Auch die Gemeinde, an die Petrus schrieb (s.o), erlebt keine schöne Zeit, sie wird verfolgt – und das erleiden ja immer wieder einzelne Menschen. Die Bibel macht nun klar, dass solche Zeiten unausweichlich sind, aber dass Gott sie in seinen TÜV einbezieht. Auch wenn sie durch Menschen kommen, durch einen Virus, durch einen ‚Schicksalsschlag‘ oder durch das Wetter. Die Erde ist nicht mehr perfekt.

Im Bibeltext fällt auf, dass die Christen, an die Petrus schrieb, trotzdem nicht verzweifelt sind, sondern weiter Gott anrufen, ja  IHN loben. Wie können sie das? Wie können wir das?

Petrus sagt: Schaut auf eure Taufe (V 3), da ist nicht nur ein Mensch mit Wasser übergossen worden, sondern da seid ihr neu geboren als Kinder Gottes, wiedergeboren zu einer lebendigen Hoffnung. Lebt das! Da hat Gott in euch eine Quelle der Hoffnung geschaffen. Diese Hoffnung ist real, absolut sinnvoll und richtig, denn Jesus Christus ist bereits von den Toten auferstanden. Dort hat sie ihren Grund, ihre Quelle. Und die Hoffnung hat natürlich auch ein Ziel: Nein, es ist nicht das Ziel, dass in der Welt alles immer wieder gut wird, das Leben ohne größere Probleme läuft, wir alle recht alt werden und dabei topfit bleiben. Denn was hätten wir für die Ewigkeit davon? Unsere Hoffnung ist größer: dass es nach dieser Welt und Zeit einen neuen Himmel und eine neue Erde geben wird, in der Gerechtigkeit wohnt. Dort ankommen werden wir, wenn wir in den Prüfungen stand halten, also an Jesus Christus dranbleiben oder gerade jetzt zum IHM umkehren. Auf ihn sind wir getauft! Wer das annimmt, IHM vertraut, hat die besten Aussichten. Amen

Ostern 2020

Wir lesen das Osterevangelium aus Matthäus 28, 1.

1 Als aber der Sabbat vorüber war und der erste Tag der Woche anbrach, kamen Maria Magdalena und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen. 2 Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben. Denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat hinzu und wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. 3 Seine Erscheinung war wie der Blitz und sein Gewand weiß wie der Schnee. 4 Die Wachen aber erbebten aus Furcht vor ihm und wurden, als wären sie tot. 5 Aber der Engel sprach zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht. 6 Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt und seht die Stätte, wo er gelegen hat; 7 und geht eilends hin und sagt seinen Jüngern: Er ist auferstanden von den Toten. Und siehe, er geht vor euch hin nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt. 8 Und sie gingen eilends weg vom Grab mit Furcht und großer Freude und liefen, um es seinen Jüngern zu verkündigen. 9 Und siehe, da begegnete ihnen Jesus und sprach: Seid gegrüßt! Und sie traten zu ihm und umfassten seine Füße und fielen vor ihm nieder. 10 Da sprach Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht hin und verkündigt es meinen Brüdern, dass sie nach Galiläa gehen: Dort werden sie mich sehen.

OSTERN, was für ein Glanz liegt über dem Fest! Jetzt, inmitten der Corona-Krise, spüren das auch die weltlichen Medien. Ostern wird offenbar als das entdeckt, was es ist: ein Ereignis, ein Fest, das Hoffnung geben kann – gerade jetzt. Denn es wird uns etwas nie dagewesenes bezeugt:  Ein wirklich Toter lebt wieder, einer der wirklich ‚ein Guter‘ war, er ist auferstanden! Jesus aus Nazareth, den man am Kreuz umgebracht hatte und ins Grab gelegt: Er lebt! Und das verändert völlig die bekannte Reihenfolge, die offenbar unveränderlich und für immer und überhaupt feststeht: Erst kommt das Leben, das wir genießen oder erleiden, oder durchkämpfen – und dann kommt der Tod. Erst kommt das Plus, dann kommt das Minus.  Und nun geht diese Rechnung einfach nicht mehr auf.

Seit der Auferstehung von Jesus muss neu gerechnet werden, und zwar so: Erst kommt das Leben, dem folgt der Tod, aber dann, dann beginnt das Leben tatsächlich nochmal. Zwar durchaus anders, in einem verwandelten Körper. Aber ‚hinterm Horizont geht‘s weiter‘! Erst kommt Plus, dann Minus und dann wieder Plus, für alle, die dem Auferstanden vertrauen.

Und wieso? Weil sich einer als ‚nichtzerstörbar‘ erwiesen hat, als ‚unkaputtbar‘. Eben als deutlich stärker als der Tod. Das ist es doch, was wir brauchen und jetzt suchen. Jede Krankheit schränkt das gesunde Leben ein und erst recht eine Seuche wie der Corona-Virus. Er wirkt wie der Vorbote des Todes – und wir können fast nichts dagegen machen. Wenn es doch etwas Stärkeres gäbe. Und dann hören wir die Osterbotschaft: Der HERR ist auferstanden! JESUS CHRISTUS lebt!

Kann ER nicht auch die Seuche zurückdrängen, den Kranken und überhaupt allen Belasteten helfen, den Medizinern und Helfern ganze viel Kraft geben? Ja, er kann und darum hat es auch Sinn zu beten. Aber wir müssen aufhören, IHN wie einen ‚Notnagel‘ zu behandeln, der jetzt ganz wichtig ist, aber dann weggeworfen wird, wenn alles vorbei ist. Sonst bleiben wir vielleicht verschont oder werden wieder gesund, aber kommen dann ‚hinterm Horizont‘ doch nicht in Gottes Frieden an. Das wäre mehr als tragisch.

Statt dessen kann der Glaube dann und jetzt schon in uns einen Frieden bewirken, den nichts auf der Welt nicht vermitteln kann.

Mein Osterglaube heißt: „Ich weiß, dass Jesus Christus stärker ist als der Tod. Und ich darf in seiner Hand sein. Ich will mich an ihn halten, IHM vertrauen. Und auch wenn hier auf Erden nicht alles gut wird; es gibt mehr als diese Erde, es gibt mehr als diese Zeit. Ich gehe einmal in einen neuen Morgen hinein.“

* Religionsunterricht in der Grundschule. Die Geschichte von der Kreuzigung und dem Tod Jesu ist das Thema. Die Kinder sind betroffen. Da flüstert Elena ihrer Freundin zu: Du musst nicht weinen, der Jesus steht doch wieder auf. Das haben die gestern schon im Fernsehen gebracht.

Wir wissen es doch schon viel länger. JESUS lebt und ruft uns auch jetzt zu: Fürchtet euch nicht! Gar nicht einfach, aber wir sind nicht verlassen, denn JESUS CHRISTUS ist heute unser Halt.

Was für ein Glanz. Amen

Unsere aktuelle Andacht zum Karfreitag 2020 als MP3 zum Anhören finden Sie hier:

Andacht für Karfreitag

Der Besiegte ist Sieger!

Karfreitag 2020

Liebe Gemeinde, liebe Brüder und Schwestern !

Es gehört Geduld dazu, jetzt auf Abstand zu bleiben, uns gegenseitig aus dem Weg zu gehen! Es gehört Mut dazu,  am Karfreitag dem entscheidenden Ereignis der Weltgeschichte nicht aus dem Weg zu gehen, sondern ihm sehr nahe zu kommen. Das ist wichtig, denn es ist zu unserem Heil geschehen!

Der Evangelist berichtet: Joh 19,17f (in Auswahl)

Jesus trug selber das Kreuz und ging hinaus zur Stätte, die da heißt Schädelstätte, auf Hebräisch Golgatha. Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere zu beiden Seiten, Jesus aber in der Mitte. Pilatus aber schrieb eine Aufschrift und setzte sie auf das Kreuz; und es war geschrieben: Jesus von Nazareth, der Juden König. … Und es war geschrieben in hebräischer, lateinischer und griechischer Sprache…. Die Soldaten aber, da sie Jesus gekreuzigt hatten, nahmen seine Kleider und machten vier Teile … dazu auch den Rock. Der aber war ungenäht, von oben an gewebt in einem Stück. Da sprachen sie untereinander: Lasst uns den nicht zerteilen, sondern darum losen, wem er gehören soll. So sollte die Schrift erfüllt werden, die sagt (Psalm 22,19): »Sie haben meine Kleider unter sich geteilt und haben über mein Gewand das Los geworfen.« Das taten die Soldaten. ….           Danach, als Jesus wusste, dass schon alles vollbracht war, spricht er, damit die Schrift erfüllt würde: Mich dürstet. …   Sie aber füllten einen Schwamm mit Essig und legten ihn um einen Ysop und hielten ihm den an den Mund. Da nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht. Und neigte das Haupt und verschied.

Wie furchtbar wird Jesus erniedrigt, alle vier Evangelisten beschrei-ben es genau, weil sie selbst so erschüttert davon waren. Zum Hügel Golgatha wird er gezerrt, draußen vor der Stadt Jerusalem. Die Kreuzigung war als schlimmste Todesart der Römer über ihn verhängt worden. Zwischen zwei wirklichen Verbrecher sollte er sterben, obwohl Pilatus feststellen musste: „Ich finde keine Schuld an diesem Menschen!“ Seine Kleidung verschachern die Soldaten untereinander und schließlich haben sie nichts anderes als brennenden Essig für ihn. So wollten sie ihn besiegen und brechen.

Aber da steht auch, dass Pilatus eine merkwürdige Inschrift über ihm anbringen ließ: ‚Jesus der König der Juden‘. Eigentlich wollte er die jüdische Elite ärgern, doch unbewusst schrieb er die reine Wahrheit über den Mann am Kreuz. Denn genau dazu ist Jesus gekommen, dass der König sei, Herr über alles. Wie ist das heute zu verstehen? Er hat sich stärker erwiesen als die Ausgrenzung; er hat die Verlorenen, die ‚Kleinen‘, die Armen, die Ausgestoßenen und Kranken eingehüllt in das Erbarmen Gottes. Suchen wir sein Erbarmen und wer braucht unser Erbarmen?

Er hat sich stärker erwiesen als der Hass, denn sogar am Kreuz hat er für seine Feinde gebetet: ‚Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun‘. Würden wir solche Liebe fertigbringen? Er hat sich stärker erwiesen als die Macht der Sünde, denn die würde uns ewig von Gott trennen. ER aber hat ihre Folgen am Kreuz auf sich genommen, damit frei sein können. Vertrauen wir darauf, glauben wir daran?!

Und dann hörte dieser Jünger Johannes den letzten Satz von Jesus:                          ‚Es ist vollbracht!‘

Ja, sie haben ihn äußerlich erniedrigen und erledigen können, aber sie konnten ihn innerlich nicht brechen. Der Mann aus Nazareth, der Gottes Sohn ist, hat seinen Auftrag erfüllt. GOTT sei DANK!

Er hat sich nie davon abbringen lassen. Gottes tiefes Erbarmen hat er verkündigt und er hat es zur Realität werden lassen.

So sehen wir am Kreuz trotz allem, wie sich Gott ganz der Welt zuwendet, selbst wenn es ihn das Leben kostet. ER spannt für uns die Arme aus, ja angenagelt und doch einladend. Er ruft uns zu: Hier bin ich, vertraue mir, flüchte dich in die Arme Gottes, da ist Vergebung, da ist Entlastung, denn ich habe auch deine Lasten getragen. Da ist Frieden. So ist Jesus Sieger geblieben am Kreuz.

„Dass Jesus siegt, bleibt ewig ausgemacht, sein ist die ganze Welt, sein sind auch wir!“ Seine Kraft ist auch in Krisenzeiten für uns da. Man kann sie erbitten und erleben.

Amen

Wo darf Jesus einziehen?

Palmarum 2020

Liebe Gemeinde, liebe Brüder und Schwestern !

Solange ich denken kann, hat es keinen einzigen Palmsonntag gegeben, an dem ich nicht bei einer Konfirmation dabei war. Als Kind auf dem Schoß meiner Mutter, dann mit der Kurrende, als Konfirmand, mit der Jungen Gemeinde, als Vikar und schließlich als Pfarrer. Dieses Jahr ist es ganz anders. Keine Konfirmation!  Wir  denken an die 9 Konfirmanden und Familien im Gebet.

Das lenkt allerdings jetzt, am Anfang der Karwoche, den Blick auf das Evangelium, das dem Sonntag seinen Namen gab.

Johannes 12,12-16 (Text aus der GUTEN NACHRICHT)

12 Am nächsten Tag hörte die große Menge, die zum Passafest gekommen war, JESUS sei auf dem Weg nach Jerusalem.
13 Da nahmen sie Palmzweige, zogen ihm entgegen vor die Stadt und riefen laut: »Gepriesen sei Gott! Heil dem, der in seinem Auftrag kommt! Heil dem König Israels!«

14 Jesus aber fand einen jungen Esel und setzte sich darauf, so wie es schon in den Heiligen Schriften heißt: 15 »Fürchte dich nicht, du Zionsstadt! Sieh, dein König kommt! Er reitet auf einem jungen Esel.«
16 Damals verstanden seine Jünger dies alles noch nicht;  aber als Jesus in Gottes Herrlichkeit aufgenommen war, wurde ihnen bewusst, dass dieses Schriftwort sich auf IHN bezog und dass die Volksmenge ihn dementsprechend empfangen hatte.
Ein Mann, der keinerlei irdischen Königstitel besitzt, Jesus aus Nazareth, wird doch voller Freude als Fürst, als König in Jerusalem empfangen. Das war mehr als außergewöhnlich! Aber genau solch ein Ereignis hatten die Propheten Jahrhunderte zuvor angekündigt.  Der Prophet Sacharja 9,9 berichtet von der Sache mit dem Esel und dem Jubel der ausbrechen wird.  Aus Daniel 9,24f lässt sich sogar der Zeitpunkt feststellen, an dem dieser Mann als Fürst und König begrüßt wird. Und wenn das alles zusammentrifft, dann ist klar, dieser Mann ist der Messias. Der von Gott kommende Erlöser, der allein die Sünden der ganzen Welt hinwegtragen kann. Der schuldlos sein Leben gibt, wie ein Opferlamm, damit wir einmal vor Gott bestehen können. Der auferstanden ist und uns damit gezeigt hat, dass es eine viel stärkere Kraft gibt als den Tod; dass es  ein Leben danach gibt, im Frieden, bei GOTT.

Der Messias ist also gekommen, mehr als 300 prophetische Voraussagen beweisen das ebenfalls. Fromme Juden warten ja noch immer auf IHN und gerade jetzt meinen sie, Zeichen zu entdecken, die sein baldiges Kommen zeigen. Aber er ist schon über diese Erde gegangen und hat alles geleistet, was der Messias leisten sollte. Und das tat kein anderer als Jesus Christus, der Mann aus Nazareth. Einmal wird er wiederkommen mit Macht und Herr-lichkeit. Sind die Corona-Welt-Erschütterungen ein Ruf Gottes an uns, dass wir endlich aufhören, nur für das Materielle zu leben und anfangen die Ewigkeit, Gott, in den Blick zu nehmen? Das glaube ich schon!

Die Menschen in Jerusalem haben Jesus damals mit Palmen-zweigen, Liedern und offenen Armen empfangen. Heute ist wichtig, dass wir ihn mit offenem Herzen empfangen. Damals konnte er in Jerusalem einziehen, aber bald schon wurde er aus der Stadt geschleppt. Aus dem „Hosianna“ war so schnell ein „Kreuzige ihn“ geworden. Das darf nie unsere ‚Masche‘ sein. Erst zu IHM rufen und ihn dann wieder ausschließen.

Jetzt, wo die Welt den Atem anhält, jetzt wo das gewohnte Leben nicht mehr funktioniert, ja, da dürfen wir IHN wirklich um Hilfe bitten. Wir sollen und dürfen Ihm unser Leben ganz und gar neu anvertrauen, aber wir sollen dann auch Wort halten und bei und an IHM bleiben. Dann ist er ganz eingezogen. ER hat nicht nur das Notquartier in unserem Lebenshaus verdient, sondern den besten Platz im Haus – im Herzen.  Das wird uns zum Segen werden.                                                                                     Amen

Bei Gott ist Hilfe und Stabilität

Judica 2020

Liebe Gemeinde, liebe Brüder und Schwestern !

Durch die ersten Worte aus Psalm 43  ist dieser Sonntag  zu seinem lateinischen Namen gekommen.

Judica me Deus – Schaffe mir Recht, Gott!

Es ist der Hilferuf, das Gebet eines Menschen, der von ‚unheiligen‘ Mitmenschen erniedrigt wird. Von Leuten, die mit dem Heiligen nichts zu tun haben wollen und denen auch Wahrheit und Gerechtigkeit nichts bedeuten. Das ist schrecklich! Doch genau das musste Jesus erleben – aber er hat diese Erniedrigung zum Segen umgewandelt, für alle, die sich IHM anschließen. Davon bezeugt der Predigttext aus Hebräer 13, 12-14:

12 JESUS hat, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor. 13 So lasst uns nun zu IHM hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen. 14 Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

Man wollte Jesus loswerden, darum ging es in der Machtzentrale Jerusalem schon eine ganze Zeit. Man wollte seine Worte nicht mehr hören, seinen Ruf zur Nächstenliebe, seine Aufforderung (an uns), die Gebote Gottes wirklich ernst zu nehmen, seine Hinwendung zu den Armen, seinen Anspruch, dass ER der Weg zu Gott ist, das Licht der Welt.

Das passte gar nicht; denn man hatte sich anders eingerichtet.

Jesus brachte alles durcheinander, ER weckte auf und schreckte auf. Und das tut er bis heute. Darum musste er weg.  Sichtbar am Kreuz und doch im Abseits sollte er sterben. Dort, wo keiner gerne sein will, ausgeschlossen, ausgegrenzt, abgesondert von den anderen; draußen vor dem Tor (V 12).

Die Aussonderung sollte so beschämend sein, dass sich niemand jemals mehr zu diesem Mann bekennen würde.                Wir wissen, das ganze Gegenteil ist eingetreten.

Die Mächtigen meinten damals zwar, dass sie Jesu aussortiert hätten, aber die Bibel macht klar (V 12), Jesus hat diesen Platz freiwillig gewählt, für uns. Alles war schon in Gottes Plan vorgesehen und durch die Propheten angekündigt. Nichts war da ‚Zufall‘.

Ein ganz aktuelles Beispiel drängt sich mir auf: Wir werden in die Isolation geschickt. Das ist schon belastend, macht einsam, obwohl wir ja heute viele technische Möglichkeiten zur  Kommunikation haben. Wir bleiben in der Quarantäne, um uns und andere nicht zu gefährden. Jesus ist in die Isolation gegangen, um das Volk zu ‚heiligen‘ (V 12). Also um alle Menschen, die das wollen, neu in die Verbindung mit dem heiligen GOTT des Lebens zu bringen.

Denn Jesus war als einziger nicht mit dem Sünden-Virus infiziert. Er war immun und ließ sich doch aussondern. Er opfert sein Leben. Seine ‚Blutspende am Kreuz‘ ist wie ein Serum, das den Virus Sünde unschädlich macht. Was für ein Liebe zu uns, was für ein großartiges Angebot für uns! Bei Jesus Christus ist Frieden.

Und weil das so unglaublich großzügig von IHM ist, kann es uns nun wirklich nicht peinlich sein, als Christen erkannt zu werden. Wenn Christen deshalb belächelt oder ausgegrenzt werden, dann lasst uns das mit Würde tragen (V 13). Wenn wir zu IHM stehen, dann steht er sicher zu uns!

Ja, menschliche Anerkennung ist schon schön, aber eben auch vergänglich (V14). Sie bleibt nicht. Gottes Anerkennung aber bleibt, sogar für immer. Hier auf Erden hat niemand einen sicheren Platz, das merken wir jetzt alle ganz deutlich. Aber in Gottes Zukunft gibt es Sicherheit. Diesen Halt bei GOTT, diese Stabilität, die sollen unsere Mitmenschen jetzt auch durch uns spüren. Bei Gott ist Hilfe, Stabilität und Frieden zu finden. Das gilt! Amen

Ihr/Euer Pfarrer Stephan Schmidt-Brücken

Kirche Scheibenberg