Kirche Scheibenberg

"Ich glaube; hilf meinem Unglauben!" Markus 9,24 (Jahreslosung 2020)

Geistliches Wort

Exaudi 2020

Herzensbindung

Was die nächsten Wochen so bringen, ist natürlich nicht klar; um so besser, dass wir aus den Prophetenbüchern von Gottes globalen Plänen erfahren. Bei Jeremia 31 heißt es:

31 Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, 32 nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, mein Bund, den sie gebrochen haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der HERR;

33 sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der HERR: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein. 34 Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den HERRN«, denn sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der HERR; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.

„Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich das Herz zum Herzen findet!“ So schrieb Friedrich Schiller in seinem grandiosen ‘Lied von der Glocke’. Aber was hat der manchmal etwas bösartige Volksmund daraus gemacht?  „Drum prüfe, was sich ewig bindet, ob sich nicht noch was Bessres findet!“  Und das heißt dann: na überleg dir’s noch mal, ob du heiraten willst, vielleicht findet sich ja wirklich noch was Besseres.  Inzwischen hat sich die Psychologie und die Soziologie längst mit dem Thema befasst und herausgefunden: Die Menschen heute haben Bindungsangst. Das klingt schon merkwürdig, denn wir haben doch vielerlei Kontakte, jetzt in diesen Corona-Zeiten nehmen wir sie noch bewusster wahr, mit Telefon und Handy und Internet. – Kontakte gibt es deutlich mehr, aber sie sind offenbar oberflächlicher als bei der Generation unserer Großeltern. Bindungsangst – das ist ein groteskes Erscheinungsbild. Denn unsere Kinder haben in sich  eine Verlustangst. Die Angst allein gelassen zu werden, die Angst ein Elternteil zu verlieren. Kinder in unserer heutigen Zeit werden krank, schwierig, aggressiv; sie löffeln da die Suppen aus, die ihnen Erwachsene einbrocken. Die sich verstreiten, trennen, scheiden oder diese und jene Beziehungen haben, aber keine festen Bindungen eingehen; ungebunden sein wollen und damit auch nicht so richtig die Verantwortung haben müssen. Dabei hat Friedrich Schiller nicht mal recht, wenn er vom ewigen Bund redet. Denn selbst die Ehe gilt: bis dass der Tod uns scheidet. Nur ein Bund ist ewig, der innere Bund. Beim inneren Bund geht es um das Herz, um die Seele.  Es geht um die Frage, wem gehört mein Herz, oder vielleicht besser mein Seele?  Denn beim Herzen denken wir zuerst an die Liebe. Bei der Seele denken wir zwar auch an Gefühle, aber auch an Halt, Grund-orientierung, wir denken an Gott. Wir wissen, dass Seelen krank werden können, dass sie von einem ‚Ungeist‘ besetzt sein können wie Neid, Gier, Gleichgültigkeit, Rechthaberei, von Zwängen und Süchten. Dennoch sind Herz und Seele austauschbare Begriffe für unsere Innerstes. Es geht also darum, wer mein Innerstes beherrscht, wer die Seele bestimmt. Was treibt mich an, meine Gedanken, Gefühle, mein Handeln?  Es geht um etwas ganz Großes. Doch die Seele ist besetztes Gebiet, ob uns das gefällt oder nicht. Was da drinnen steckt, ist die Erbsünde. Wir haben die Fähigkeit, nicht nur gut zu sein, sondern auch schlecht und zwar von klein auf. Da liegt das Glas Milch zerbrochen auf dem Fußboden. Hast Du das runter geschmissen? Nein: Tatze wars… die Katze wars! Aha. Der Mensch ist nicht von Natur aus ‚edel, hilfreich und gut‘, wie es sich der andere Dichter, Goethe, wünschte. Und auch das Volk Israel, zu dem Jeremia im Bibeltext redet (V. 31), hat den Bund Gottes verlassen, obwohl ER sie ‚an der Hand‘ aus Ägypten errettet hat. Und dann kommt es so wie in diesen Corona-Tagen: Am Anfang sind sie froh und dankbar, dass sie leben, dann, als die Alltagsbequemlichkeiten nicht mehr so da sind, geht das Schimpfen auf Mose und Gott los. Das goldene Kalb soll ihr neuer Gott sein. Trotz solcher Sünden, die sich ja immer wiederholt haben, gibt Gott sein treuloses Volk nicht auf. Das ist überaus erstaunlich. Er wählt einen anderen Weg und sagt: Da hilft nur noch ein echter Herzensbund. Und er nimmt sich vor: Ich will das Angebot zur Herzensveränderung machen. Beim Volk Israel soll es anfangen, aber wir heute können auch mit in diesen Bund gehören. Es beginnt mit der Taufe, aber dann müssen wir irgendwann auch mal selbst bewusst JA sagen zu diesem Angebot Gottes. ER will sein Gesetz in unser Herz und in unseren Sinn geben (V34). Er ‚erobert‘ unsere Herzen durch den Heiligen Geist. Durch den Glauben an Jesus kommt er in uns hinein und macht uns zu Menschen die feststellen: Mein Herz ist an Gott gebunden – da hab ich das Beste gefunden. Amen

Rogate 2020

Das Gebet aller Gebete im ‚Home Office‘

‚Beten ist das Handwerk der Christen‘ so etwa hat es Dr. Martin Luther ausgedrückt. Ein Handwerk lernt man vom Meister. In Glaubensdingen ist das allein Jesus Christus. Er gibt folgende Anleitung: Mat 6,5-15.

Jesus lehrte seine Jünger und sprach: 5 Wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, um sich vor den Leuten zu zeigen. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt. 6 Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten. 7 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. 8 Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet. 9 Darum sollt ihr so beten: Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt. 10 Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. 11 Unser tägliches Brot gib uns heute. 12 Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. 13 Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.14 Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben. 15 Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.

Fast jedes Handwerk braucht eine Werkstatt. Wo ist die Werkstatt des privaten Gebetes? Sie soll erst mal daheim sein, in der Stille, hinter verschlossenen Türen. Dort soll allein oder gemeinsam ‚gearbeitet‘ werden. In dieser Coronazeit ist vielen ‚Home Office‘ verordnet worden. Alle Verwaltungs- und Büroarbeiten, die möglich sind, sollen von zu Hause aus erledigt werden. Erstaunlich ist, dass Jesus Christus seinen Anhängern, und damit uns Christen, schon vor 2000 Jahren ‚Home Office‘ verordnet hat, Heimarbeit im Beten. Und niemand hat sich darüber beschwert, dass er jetzt weggesperrt wäre. Sondern es hat viel mehr Freude ausgelöst, denn Jesus sagt damit: auch das Gebet daheim stößt nicht auf taube Ohren, sondern kommt bei Gott dem Vater an.  Wie viele kranke Mitchristen, wie viele verfolgte oder verlachte Mitchristen, die eben nicht in die Gottesdienste kommen konnten, haben sich getröstet, weil ‚der Vater ins Verborgene‘ sieht. „Im Krankenhaus unter der Bettdecke wird vielleicht mehr gebetet, als in der Kirche!“. Der Arzt, der das behauptet hat, könnte recht haben.

Jesus sagt hier ja zuerst: Beim Gebet darf es niemals darum gehen, dass ich auch von anderen gesehen werde oder viele Worte brauche.

Wenn mein Ziel ist, dass andere meine ‚Gebetskunst‘, meine Andacht, meine guten Formulierungen bemerken, dann ist mein Beten umsonst. Vielmehr soll ich glauben, dass Gott alles in Hand hat und mich hört: dann reichen auch schlichte Worte. Ja es würde sogar reichen, wenn wir immer wieder nur das VATERUNSER ernsthaft beten. Das ist nicht nur viel besser, als gar nicht zu beten, sondern es ist ja das wertvollste aller Gebete überhaupt. Erstens, weil es Jesus selbst gelehrt hat und zweitens, weil es wirklich alles umfasst, was wichtig ist. Wir beten dort füreinander; aber persönlich heißt das:

Vater unser im Himmel: Auch ich darf zu dem ewigen und allmächtigen Gott tatsächlich Vater sagen– was für ein Vorrecht!

Geheiligt werde dein Name: Sein Name, ER ist die Autorität über allem menschlichen Willen, das muss mir heilig sein.

Dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden: Seine Gedanken, der mehr sehen als ich, die sollen sich durchsetzen. Gottes gute Herrschaft möge nicht nur den Himmel, sondern auch die Welt bestimmen und einmal alles erneuern.

Unser tägliches Brot gib uns heute: Ich kann nur leben, wenn ER mir gibt. Alles Gute ist Geschenk, das will ich dankbar begreifen.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern: Auch das Innere, die Seele muss ‚entgiftet‘ werden. GOTT will vergeben! ER wird es in dem Maß tun, wie ich meinen Mitmenschen auch wirklich vergebe (V14f).

Und führe uns nicht in Versuchung sondern erlöse uns von dem Bösen: Auf dem Weg des Glaubens kann ich nur bleiben, wenn ER mich schützt und befreit. Darum will ich immer neu bitten.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Damit bekenne ich mich nochmals zu meinem großen und mächtigen GOTT; ER ist HERR für immer.

Jesus redet in diesem Bibelabschnitt vom privaten Gebet. Wir wissen, dass er ebenso in Gottesdiensten betete und seine Jünger sich mit den ersten Christen zum öffentlichen Gebet trafen. Ja, beides hat seine Zeit aber beides gehört auch zusammen. In der Gebets-Heimarbeit schütten wir unser Herz vor Gott aus, im Gottesdienst kommen die öffentlichen Anliegen vor IHN. Das eine ist die Werkstatt, das andere die Werkhalle des Gebetes. Beides wird gebraucht. Wie gut, dass wir beten dürfen! Amen     Lied dazu: 182, 2+3 Suchet zuerst

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